OFFENER BRIEF gegen die Image-Werbung der Bundeswehr auf dem Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt

Wir veröffentlichen den OFFENEN BRIEF, der von 70 Organisationen unterstützt wird, das erste Mal  Ende Oktober 2020 hier auf dieser Website.

 


Bundeswehr-Werbung (Image-Werbung) auf dem Deutschen Evangelischer Kirchentag Juni 2019 in Dortmund:




Bundeswehr-Werbung auf dem evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg; chronologisch geordnet: von Mittwoch bis Sonntag:

  1. Big Band der Bundeswehr am Mittwoch, 24. Mai 2017 (Abend der Begegnung), 19.30 – 22 Uhr. Sängerin Sarah Kaise.r. Vorprogramm: Gebärdenchor "Singende Hände", Leitung Suse Jank. Hauptprogramm Big Band der Bundeswehr. Ort: Bühne auf dem Gendarmenmarkt. Programmheft Seite 94.
     
  2. Zwei Stände auf dem „Markt der Möglichkeiten“, Berlin Messegelände. Es ist erstens der Stand Nummer 4.2-F20 „Militärseelsorge“ und zweitens der Stand Nummer 4.2-G21 „Militärgemeinde Munster“. Öffnungszeiten: Donnerstag, 25. Mai 2017 (10.30-18.30 Uhr), Freitag, 26. Mai 2017 (10.30-18.30 Uhr) und Samstag, 27. Mai 2017 (10.30-17.30 Uhr).
     
  3. Bibelarbeit, Freitag, 26. Mai 2017, 9.30–10.30, Thema "Jakob und Esau versöhnen", 1 Mose 33,1–17. Dr. Sigurd Rink, Militärbischof, Kaiser‑Wilhelm‑Gedächtnis‑Kirche, Breitscheidplatz, Charlottenburg.
     
  4. Militärgottesdienst: Freitag, 26. Mai 2017, 11.30–12.30 Uhr. Predigt: Dr. Ursula von der Leyen, Bundesverteidigungsministerin, und Dr. Sigurd Rink, Militärbischof. Gestaltung: Militärseelsorge. Musik: Habakuk, Frankfurt/Main. Ort: Kaiser‑Wilhelm‑Gedächtnis‑Kirche, Breitscheidplatz. Siehe dazu auch: Mindener Tagblatt, 19.04.2017 "Versöhnungsbund kritisiert geplanten Kirchentags-Gottesdienst mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen".
     
  5. Podiumsdiskussion mit Militärbischof Sigurd Rink, Messegelände, Samstag, 27. Mai 2017, 11.00 -13.00 Uhr. Ort: Berlin Messegelände, Halle B, Ebene 2, CityCube. Thema „Wieviel Krieg braucht der Frieden?“ Einführung Prof. Dr. Véronique Zanetti (Philosophin), Impulsinterview Lamberto Zannier (Generalsekretär der OSZE), Podium mit den Vortragenden und Dr. Sabine Jaberg (Politikwissenschaftlerin), Dr. Sigurd Rink (Militärbischof, Berlin), Moderation: Axel P. Schröder (Deutschlandradio).

  6. „Café Friedenswege“ vom 20. Mai bis 10. September 2017 in Wittenberg, zwischen Schwanenteich und Mauerstraße (Lageplan siehe unten). Den Rahmen bildet die „Weltausstellung Reformation“ mit ihren „7 Toren der Freiheit“. Zitat Bundeswehr-Website: „Die Militärseelsorge ist dabei mit der Dialogplattform #Friedenswege. Besuchen Sie uns in der Lutherstadt Wittenberg oder online unter www.friedenswege.de und diskutieren Sie mit Akteuren der evangelischen Friedensarbeit und der Militärseelsorge über Frieden und Sicherheit.“ Achtung: Die Bundeswehr führt dieses „Café Friedenswege“ in Kooperation mit der „Arbeitsgemeinschaft Dienst für den Frieden“ AGDF www.friedensdienst.de durch. Der Plural "Café Friedenswege" bedeutet: Es gibt neben den zivilen Wegen zum Frieden auch militärische Wege zum Frieden. Frage: Warum gibt sich die "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" (AGDF) für Bundeswehr-Werbung her? Von Seiten der Bundeswehr ist die Abteilung "Evangelische Militärseelsorge" (EKA Berlin) zuständig.

Die Bundeswehr verfolgt mit diesen Veranstaltungen ein einziges Ziel. Sie möchte in der kirchlichen Landschaft salonfähig zu bleiben. Die Bundeswehr möchte die Zustimmung der großen Kirchen zu den Auslandseinsätzen nicht verlieren. Für den Kontakt zur Kirche ist Von Seiten der Bundeswehr ist die Abteilung "Evangelische Militärseelsorge" (EKA Berlin) und teilweise auch das "Zentrum für Militärmusik der Bundeswehr" zuständig. Zur Erinnerung: Diese beiden Einrichtungen werden zu 100% von der Bundeswehr organisiert und bezahlt. Beide Einrichtungen unterstehen zu 100% dem Bundesministerium für Verteidigung (BMVg).



Werbung für die Bundeswehr auf dem Katholikentag, 25.-29. Mai 2016, in Leipzig

  1. Programmheft des Katholikentages, Seite 46: "Eucharistiefeier, Fr 11.00 bis 12.30 Uhr, Thema: Der Friede, Gottes Geschenk, dem Menschen anvertraut. Zelebrant: Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Kath. Militärbischof für die deutsche Bundeswehr, Berlin. Musik: Luftwaffen Musikkorps Erfurt. Predigt: Katholische Militärseelsorge. Ort: General-Olbricht-Kaserne, Freifläche, Landsberger Str. 133"
     
  2. Kirchenmeile (Openair-Messestände), Stand Nr. 018 "Katholische Militärseelsorge", Ort: Leipzig, Nonnenmühlgasse (outdoor), Geöffnet: Donnerstag 26.05.2016, 11.30–19.00 Uhr; Freitag 27.05.2016, 10.30–19.00 Uhr; Samstag, 28.05.2016, 10.30–18.00 Uhr.

Gegen Bundeswehr-Werbung auf dem "Deutschen Evangelischen Kirchentag" im Juni 2015 in Stuttgart

Auf dem "Markt der Möglichkeiten" (Cannstatter Wasen / Neckarpark), von Donnerstag bis Samstag, 4.-6. Juni 2015, jeweils von 10.30 bis 18.30 Uhr. Die Militärseelsorge, die größtenteils von der Bundeswehr organisiert und bezahlt wird, betreibt dort fünf Stände.

Hier die fünf Standnummern: ZH5-D14, ZH5-D16, ZH5-D18, ZH5-E15 und ZH5-E19.


Wir fordern: Keine Zusammenarbeit der Kirche mit dem Militär. Keine Militärwerbung auf dem Kirchentag!

Ökumenischer Kirchentag München 2010. Podiumsdiskussion: (von links) General Karl-Heinz Lather, Chef des Stabes, SHAPE, Walter Wakenhut, Kath. Militärgeneralvikar, Dr. Susanne Kastner, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Moderator Stefan Raue vom ZDF, Ute Granold, Ausschuss für Menschenrechte, Dr. Martin Dutzmann, Evangelischer Militärbischof.


Ökumenischer Kirchentag München 2010. Auch das Wehrbereichskommando IV und das Landeskommando Bayern waren vertreten: Der Stellvertretende Befehlshaber Brigadegeneral Johann Berger (rechts) und Oberst Johann Stadler, Kommandeur (zweiter von rechts). Unsere Einschätzung: Jesus Christus hätte sich im Grabe umgedreht, wenn er dort noch liegen würde, und wenn er diesen Militär-Auftritt in seinem Haus gesehen hätte. Und auch heute regt sich Widerstand!


Unser Protest gegen die Militärseelsorge auf dem Kirchentag in Hamburg im Mai 2013. Nebenbei sieht man auch die unrühmliche Rolle der Pfadfinder.



Tolle Idee: Die Bundeswehr - genauer die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung - macht auf dem Kirchentag mit einer HÜPFBURG Werbung für das Militär und für den Krieg.


IMI-Standpunkt 2009/040
Offener Brief zu Bundeswehr und evangelischer Kirchentag - Eine Kritik
Autor: Tobias Pflüger,  Informationsstelle Militarisierung, 7. Juli 2009

Ich beobachte eine immer stärkere Verquickunge von Kirchentag und Bundeswehr. Dies lässt mir keine Ruhe, darin sehe ich einen eklatanten Widerspruch zur Erklärung der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) für einen gerechten Frieden einzustehen.

Der aktuelle Vertrag zwischen dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und der Bundeswehr setzt dabei ältere Kooperationen beispielsweise von 2003 fort, damals noch versteckter. Im Programm für den „Ökumenischen Kirchentag“ (ÖKT) in Berlin 2003 heißt es beispielsweise auf Seite 718: „Dank: Der Ökumenische Kirchentag dankt den kirchlichen Zuschussgebern…, und besonders den öffentlichen Zuschussgebern … Bundesministerium des Innern, Senat des Landes Berlin, Landesregierung Brandenburg sowie für die Unterstützung durch Sponsor-Partnerschaften, Spenden und Fördergelder… Deutsche Bundeswehr, …“

Das wurde schon damals kritisiert und es gab zudem Proteste gegen Militär(seelsorge) auf dem ÖKT in Berlin. In den Programmheften der folgenden Kirchentage tauchte die Bundeswehr unter der Rubrik „Dank“ dann nicht mehr auf. Wir werden sehen wie und ob der Bundeswehr 2010 gedankt wird, wenn der Katholikentag in München als „2. Ökumenischer Kirchentag“ begangen wird.

Zum einen ist für mich die Amtshilfe der Militärseelsorge und die Legitimationsfunktion für die Bundeswehr ein ständiger Stein des Anstoßes, noch viel kritikwürdiger und vollkommen überflüssig erscheint mir aber die direkte Beteiligung der Bundeswehr am Programm des Kirchentags:

Dieses Jahr gab es massive Bundeswehr-Auftritte beim DEKT in Bremen. So hatte die Bundeswehr zur Eröffnung des Evangelischen Kirchentages ihre Bigband auftreten lassen. Die Soldaten spielten auf der zentralen Bühne, die von Bannern „Karriere-Chance Bundeswehr“ flankiert wurde, mit denen für eine Karriere bei den Streitkräften geworben wurde. In der Tat war die Bundeswehr am ersten Tag des Kirchentages mit großen Zelten und fünf LKW in Tarnfarben samt Bewachungspersonal – darunter bewaffnete Feldjäger – präsent. Übrigens eine leichte Steigerung zu 2007, da hieß es in Köln: „Der Kirchentag swingt“ (zur Bundeswehr Big Band).

Zudem ist die Militärseelsorge auf dem „Markt der Möglichkeiten“ präsent, mit dabei Bundeswehrsoldaten, ohne dass gleich erkennbar ist, wer dabei in wessen Auftrag für was wirbt. Sollen KirchentagsbesucherInnen die Bundeswehr neben Friedensgruppen, zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Initiativen als eine „Möglichkeit“ wahrnehmen, was der „Markt“ so bietet? Weder das Darmstädter Signal oder andere kritische Stimmen der Bundeswehr, die mit ihrer Verweigerung von Bundeswehr-Auslandseinsätzen wegen Völkerrechts- und Grundgesetzwidrigkeit Recht bekamen, sind so prominent vertreten wie die Bundeswehr. Wer stimmte beispielsweise zu, dass die Bundeswehr mit ihrer Bigband auftreten durfte?

Die Bundeswehr machte insgesamt also auf dem Kirchentag Werbung für sich und ihren Auftrag, sie versucht so Akzeptanz für umstrittene Auslandseinsätze zu schaffen, praktiziert damit die hoch problematische zivil-militärische Kooperation quasi an der Heimatfront und ergänzt mit dem Kirchentag ihre bundesweiten Rekrutierungsauftritte um eine prominente Veranstaltung.

Die Funktion der zunehmenden Bundeswehreinsätze für Wirtschaftsinteressen (verteidigungspolitische Richtlinien, EU-Defence Paper), der mögliche Einsatz von Massenvernichtungswaffen (NATO-Doktrin, nukleare Teilhabe), Einsatzfolgen wie tote und verletzte SoldatInnen, Traumatisierungen und psychische Probleme für die SoldatInnen, von den Kollateralschäden ganz zu schweigen, sind dabei keine Thema.

Das in Frage stellen der Bundeswehr bzw. ihrer Funktion und Praxis scheint zudem nur im Rahmenprogramm und nicht im offiziellen Hauptprogramm des DEKT statt zu finden. Beispiel: ein Vertreter der Friedensbewegung sprach am 23.5. im Rahmen einer Veranstaltung des Versöhnungsbundes zur NATO und zur deutschen Rolle bei der EU-Militarisierung; auf der Friedens-Demonstration kritisierte Drewermann, dass das Thema Frieden auf dem Kirchentag nur am Rande eine Rolle spielte. Krieg sei „nie Wille Gottes“. Es sei auch „nicht hinzunehmen, dass auf dem Kirchentag die Bundeswehr mit einer Reklame-Veranstaltung“ werben könne.

Die Bundeswehr tritt aber im Hauptprogramm auf (s.o.). Dazu passen dann auch die Angebote bzw. Mitwirkung der Militärseelsorge: am Freitag 22. Mai zum Thema „Gesamtsituation unbefriedigend. Musicalgottesdienst zum Auslandseinsatz der Bundeswehr“, Liturgische Gestaltung: Ev. Militärseelsorge, Hannover. Und natürlich das Podium „Friedensethik Kaukasus und Hindukusch – Wer traut dem gerechten Frieden?“ mit Hubert Saur, Oberstleutnant, Führungsakademie der Bundeswehr. In „AGDF Aktuell“ wurde dazu schon Kritisches geschrieben, der „schale Nachgeschmack“ verstärkt sich bei mir, wenn ich dann noch in einer Kleinen Anfrage von Ulla Jelpke zu „Amtshilfeeinsätzen der Bundeswehr“ (Bundestagsdrucksache 16/12771) folgendes finde: Das „Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr“ hat bereits am 29.10.2007 für die Durchführung des evangelischen Kirchentages (20. – 24. Mai 2009 in Bremen) Amtshilfe der Bundeswehr beantragt – die auch genehmigt wurde (durch das WBK1 am 20.11.2007). Konkret geht es um 400 Betten und Bettwäsche, die die Bundeswehr für den Kirchentag zur Verfügung stellt und mit LKWs dorthin und wieder weg transportiert. Mit welcher Begründung geschieht dies alles?

Dies widerspricht doch friedensethischen Verlautbarungen der Evangelischen Kirche. „Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten.“ heißt es in der neuen EKD-Friedensdenkschrift. Die Notwendigkeit der Prävention und der Vorrang gewaltfreier Methoden der Konfliktbearbeitung für einen nachhaltigen Frieden werden reklamiert. Zum Abschluss der Dekade zur Überwindung der Gewalt ist eine Überwindung der mehr fragwürdigen DEKT-Bundeswehr-Kooperation überfällig.

Zukünftig bitte ich darum von einer Zusammenarbeit mit der Bundeswehr Abstand zu nehmen.

Für Kirchentage ohne Bundeswehr!

23.06.2009 Markus Pflüger AG Frieden e.V. Trier, Beirat der Informationsstelle Militarisierung (IMI)