Gegen Militär-Werbung auf dem Katholikentag 2022 in Stuttgart!

Wir befürchten, dass die Bundeswehr wie auf vergangenen Katholikentagen auch auf dem Katholikentag 2022 wieder Image-Werbung und Kontaktpflege betreiben wird. Ein Problem sehen wir vor allem in dem traditionellen Militär-Katholikentags-Gottesdienst, denn durch solche Gottesdienste wird das Militär insgesamt gesegnet und aufgewertet. [s. Anm.1]

Der Katholikentag 2022 steht unter dem Motto Leben teilen. Sankt Martin ist bis heute ein Vorbild für dieses Motto. Er ist auch der Diözesanheilige des Bistums, in dem der Katholikentag stattfindet. Oft wird jedoch vergessen, dass Sankt Martin als er Christ wurde nicht länger Soldat sein wollte. [Anm.2] Er steht damit in der Nachfolge Jesu, der militärische Gewalt abgelehnt hat. In dieser Tradition lehnt auch Papst Franziskus militärische Gewalt ab. Er wirbt für aktive Gewaltfreiheit. [s. Anm.3]

Auch der gescheiterte Afghanistan-Einsatz hat gezeigt, dass militärische Gewalt keine Lösung ist. Militärische Aufrüstung und Abschreckung sind nicht der richtige Weg zum Frieden!

Unsere Bitte: Lassen Sie nicht zu, dass die Bundeswehr auf dem Katholikentag Image-Werbung und Kontaktpflege betreibt! [s. Anm.4] Lassen Sie im Rahmen des Katholikentages keinen Militär-Gottesdienst zu!

Wichtig: Unser Protest richtet sich nicht gegen Personen, auch nicht gegen Soldat*innen als Privatpersonen, sondern gegen einen Missstand!

ANMERKUNGEN

Anm. 1: Bei Katholikentags-Militär-Gottesdiensten spielt in der Regel ein Militärmusikkorps, die Militärpolizei bewacht den Eingang, hohe Militärvertreter*innen nehmen teil, und Militärgeistliche werben um Verständnis für Auslandseinsätze. Unklar ist noch, wie man den Militär-Katholikentags-Gottesdienst 2022 nennen wird, vielleicht Friedensgebet? Oder Bittgottesdienst für den Frieden?

Anm. 2: Sankt Martin ist der Diözesanheilige des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Literatur: "Es ist mir nicht erlaubt zu kämpfen - St. Martin: Mantelteiler. Kriegsdienstverweigerer. Friedensstifter." Herausgeber: Pax Christi Rottenburg-Stuttgart, St. Martinus-Gemeinschaft und RPI-Stuttgart, Din A4, 157 Seiten, Rottenburg 2021.

Aus der Legenda Aurea, übersetzt aus dem Lateinischen: Zu den Zeiten fielen die Barbaren in Gallien ein; da zog der Kaiser Julian gegen sie in den Krieg, und gab seinen Rittern großen Lohn. Martin aber wollte nicht kämpfen, und wollte das Geld (den Lohn) nicht empfangen, sondern sprach zu dem Kaiser `Ich bin ein Ritter Christi, darum ziemt mir nicht zu kämpfen´. Da sprach Julian voll Unmuts, er (d.h. Sankt Martin) verweigere den Dienst nicht wegen seines Glaubens, sondern aus Furcht vor dem drohenden Kriege. Da antwortete ihm Martin mit unverzagtem Sinn: `Misst man dies meiner Feigheit zu und nicht meinem Glauben, so will ich mich morgen ohne Waffen vor das Heer stellen, und mit dem Kreuz allein statt Schild und Helm beschirmt im Namen Christi unversehrt durch die Scharen der Feinde brechen´

Anm. 3: Botschaft des Heiligen Vaters Papst Franziskus zur Feier des Weltfriedenstages, 1. Jan. 2017: "Möge die Gewaltfreiheit von der Ebene des lokalen Alltags bis zur Ebene der Weltordnung der kennzeichnende Stil unserer Entscheidungen, unserer Beziehungen, unseres Handelns und der Politik in allen ihren Formen sein."

Ebenda: "Auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren führt bestenfalls zu Zwangsmigrationen und ungeheuren Leiden, denn große Mengen an Ressourcen werden für militärische Zwecke bestimmt und den täglichen Bedürfnissen der Jugendlichen, der Familien in Not, der alten Menschen, der Kranken, der großen Mehrheit der Erdenbewohner entzogen."

Papst Franziskus, Enzyklika Fratelli Tutti (Okt. 2020), 258: So entscheidet man sich dann leicht zum Krieg unter allen möglichen angeblich humanitären, defensiven oder präventiven Vorwänden, einschließlich der Manipulation von Informationen. In der Tat gaben in den letzten Jahrzehnten alle Kriege vor, `gerechtfertigt´ zu sein. Der Katechismus der Katholischen Kirche spricht von der Möglichkeit einer legitimen Verteidigung mit militärischer Gewalt, was den Nachweis voraussetzt, dass einige `strenge Bedingungen´ gegeben sind, unter denen diese Entscheidung `sittlich vertretbar´ ist. Aber es ist leicht, in eine allzu weite Auslegung dieses möglichen Rechts zu verfallen. Dann will man selbst `präventive´ Angriffe oder kriegerische Handlungen unzulässigerweise rechtfertigen, bei denen sich kaum `Schäden und Wirren´, `die schlimmer sind als das zu beseitigende Übel´, vermeiden lassen... Deshalb können wir den Krieg nicht mehr als Lösung betrachten, denn die Risiken werden wahrscheinlich immer den hypothetischen Nutzen, der ihm zugeschrieben wurde, überwiegen. Angesichts dieser Tatsache ist es heute sehr schwierig, sich auf die in vergangenen Jahrhunderten gereiften rationalen Kriterien zu stützen, um von einem eventuell `gerechten Krieg´ zu sprechen. Nie wieder Krieg!

Anm. 4: Die Bundeswehr ist traditionell auf dem Katholikentag präsent (a.) durch den Militär-Gottesdienst, (b.) durch Bundeswehr-Vertreter*innen auf der Kirchenmeile und (c.) bei Podiumsdiskussionen. Unsere Meinung: Dialog ist gut, aber die starke Bundeswehr-Präsenz auf dem Katholikentag geht über Dialog weit hinaus in den Bereich von Image-Werbung, Kontaktpflege und Militär-Rechtfertigung.


RÜCKBLICK: Die Ankündigung der Katholikentags-Militärgottesdienste in Münster 2018 (blau) und in Leipzig 2016 (grün) :