25.05.2017 17:46

Militärgottesdienst auf dem Kirchentag 2017 Berlin

Folgende Organisationen unterstützen diesen Text: Dietrich-Bonhoeffer-Verein, Internationaler Versöhnungsbund deutscher Zweig, Forum Friedensethik in der Evangelischen Landeskirche in Baden, Solidarische Kirche im Rheinland, Ökumenisches Netz in Deutschland, Ökumenische Netz Württemberg, Netzwerk Friedenssteuer, Friedensinitiative Westpfalz, Koordination Arbeits- und Koordinierungsstelle Praktische Schritte, Initiative Kein Militär mehr, Ökumenische Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge, Initiative MusikerInnen gegen Auftritte der Militärmusikkorps, die SprecherInnen der BAG ChristInnen (Bündnis 90/Die Grünen) Kerstin Taeubner-Benick und Friedrich Battenberg

Offener Brief an das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages

Wir bitten: Keinen Militärgottesdienst auf dem DEKT 2017 in Berlin!

Frieden gehört in die Mitte kirchlichen Lebens. Kirchentage sind hiervon ein wichtiges Zeugnis, vom geistlichen Leben bis zum Diskurs über aktuelle gesellschaftspolitische Fragen.

Christinnen und Christen sind in der Nachfolge Jesus aufgefordert, den Weg der Gewaltfreiheit zu gehen. Hierzu gehört es, militärische Gewalt abzulehnen beziehungsweise grundsätzlich in Frage zu stellen.

In den letzten Jahren haben regelmäßig bei Kirchen- wie auch bei Katholikentagen Gottesdienste stattgefunden, bei denen die Bundeswehr eine zentrale Rolle spielte: MilitärmusikerInnen spielen, VertreterInnen der Bundeswehr sitzen in den ersten Reihen, Militärpolizisten (Feldjäger) sichern den Eingang, und der Militärbischof predigt. Solche Veranstaltungen dienen immer auch der öffentlichen Darstellung des Militärs. So wird Militärmusik von der Bundeswehr als Teil der Öffentlichkeitsarbeit gesehen, der es darum geht, die Akzeptanz der Bundeswehr und militärischer Einsätze zu erhöhen und die Voraussetzung für die Rekrutierung von Soldatinnen und Soldaten zu verbessern.

Es ist unstrittig, dass Soldatinnen und Soldaten zu Gottesdiensten eingeladen sind. Die Militärgottesdienste haben aber erkennbar eine andere Funktion als (nur) dem Seelenheil zu dienen. Neben der Selbstvergewisserung der Bundeswehr sind sie in erster Linie eine öffentliche Demonstration für die Bundeswehr im Rahmen eines großen Events wie dem Kirchentag, ohne dass eine kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Funktion der Bundeswehr erfolgt:

1. Militär kann keinen Frieden schaffen. Selbst Befürworter/innen militärischer Einsätze erhoffen sich, dass im besten Fall ein Waffenstillstand erreicht werden kann. Aber zu welchen Kosten an Menschenleben und an Ressourcen? Es ist zumindest umstritten, ob die Ausbildung von Sicherheitskräften zumeist autoritär geführter Staaten letztlich positive Wirkungen erzielt.

2. Militärinterventionen haben in den letzten Jahrzehnten niemals die in sie gesetzten Ziele erreicht. Auch wenn die Lage immer wieder geschönt dargestellt wird: Die Militäreinsätze in Afghanistan sind gescheitert, das Land steht weiterhin am Abgrund.

3. Die Bundeswehr dient schon lange nicht mehr (primär) der Landesverteidigung. Vielmehr ist sie laut Weißbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr ein Instrument, um nationale Interessen (freie Handelswege, Zugang zu Rohstoffen) durchzusetzen - letztlich ein Machtinstrument. Die meisten bisherigen Einsätze erfolgten aber aus Bündnissolidarität.

4. Das Militär hat den Auftrag und die Kernkompetenz, vorgegebene Ziele auch durch den Einsatz tödlicher Waffen zu erreichen - und nicht wie die Polizei, primär Menschenleben zu schützen. Daher sterben bei Militäreinsätzen viele Menschen auf grausame Weise. Viele werden verletzt oder müssen fliehen. Häuser, Schulen, Fabriken werden zerstört. Der Wiederaufbau kostet viel Zeit und Geld.

5. Statt Militärausgaben zu steigern, müssen dringend zivile Instrumente der Krisenprävention und Konfliktbearbeitung und die Friedensforschung ausgebaut sowie völkerverbindende Aktivitäten stärker gefördert werden.

Gottesdienste sollen dazu dienen, in unserer friedlosen Welt die biblische Friedensbotschaft zu verkünden (Micha 4,3 und Matthäus 5-7). In einer gewalttätigen Welt, in der Militär eine große Rolle spielt, sollen in unseren Gottesdiensten Alternativen aufgezeigt werden.

Aus diesen Gründen bitten wir: Keinen Militärgottesdienst auf dem DEKT 2017 in Berlin!

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25.05.2017: Protest Bremer Theologinnen und Theologen gegen Bundeswehrauftritte auf dem Kirchentag in Berlin und Wittenberg
Die von Verteidigungsministerium und Bundeswehr betriebene Militarisierung des öffentlichen Lebens erfasst immer mehr die verschiedensten Lebensbereiche, auch die der Kirche. Das macht der jetzt stattfindende 36. Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg deutlich. So spielt am Eröffnungsabend die Big Band der Bundeswehr und die Bundesministerin für Verteidigung, Ursula von der Leyen, hält die Predigt eines repräsentativen Militärgottesdienstes in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, deren Eingänge von der Militärpolizei bewacht sein werden.
Parallel zum Kirchentag wird auf der „Weltausstellung Reformation“ in Wittenberg das Objekt „Café Friedenswege“ durchgeführt. Es wird veranstaltet von der „Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden“ (AGDF) und der „Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden“ (EAK), zusammen mit der „Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr“, deren Seelsorger vom Staat finanziert werden. Das bedeutet, dass die Bundeswehr über die Militärseelsorge in Teile der kirchlichen Friedensbewegung eindringt.
Wir Bremer Theologinnen und Theologen protestieren gegen diese militärischen Auftritte in kirchlichen Veranstaltungen, die dem christlichen Friedensauftrag widersprechen und ihn unglaubwürdig machen.
14 Bremer Theologinnen und Theologen und weitere Personen haben diese Erklärung unterzeichnet.
Bremer Friedensforum, Villa Ichon, Goetheplatz 4, 28203 Bremen, Tel. + 49 (0) 421 - 39 61 892 oder + 49 (0) 421 - 64 41 470, info@bremerfriedensforum.de


EAK-Pressemitteilung zum Gottesdienst der Militärseelsorge beim Kirchentag in Berlin - Datum: Thu, 18 May 2017 06:03:24 +0000 - Von: Dieter Junker < junker@evangelische-friedensarbeit.de>

Sehr geehrte Damen und Herren,
in der Anlage übersende ich Ihnen eine Pressemitteilung der EAK zum Gottesdienst der Militärseelsorge mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Kirchentag in Berlin. Über eine Veröffentlichung würden wir uns freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Junker, Verein für Friedensarbeit im Raum der EKD, Öffentlichkeitsarbeit, Endenicher Straße 41, 53115 BonnTel: 0228-24999-0, Fax: 0228-24999-20, Mobil 0171 4161087, junker@evangelische-friedensarbeit.de , presse@evangelische-friedensarbeit.de , www.evangelische-friedensarbeit.de

EAK: Verteidigungsministerin auf der Kanzel ist eine „nicht hinnehmbare Vermischung von geistlichem und weltlichem Amt“

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) hat eine deutliche Kritik an der geplanten Predigt von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem Bittgottesdienst für den Frieden der Militärseelsorge beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin geäußert. In einem Schreiben an den evangelischen Militärbischof Dr. Sigurd Rink sieht der evangelische Friedensverband hier eine „nicht hinnehmbare Vermischung von geistlichem und weltlichem Amt, Auftrag und Mandat“, das durch die Spitzenämter der Bundesministerin für Verteidigung und unter der geistlichen Verantwortung des Bischofs für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr geschehe.

Das Bundesverteidigungsministerium habe einen politischen Auftrag und ein politisches Mandat, betont der EAK-Bundesvorsitzende Dr. Christoph Münchow in dem Schreiben. Der Militärbischof habe dagegen einen geistlichen Auftrag und ein geistliches Mandat. „Der Vermischung im Blick auf die geplante Predigt der Bundesministerin für Verteidigung als öffentliche Wortverkündigung müssen wir widersprechen“, unterstreicht der EAK-Vorsitzende. Es sei ein „fatales Signal im Jubiläumsjahr der Reformation, wenn diese für evangelisches Christentum charakteristische Unterscheidung von geistlichem und weltlichem Amt nicht berücksichtigt und übergangen wird“, so Münchow.

Die Brisanz würde nach Ansicht des evangelischen Friedensverbandes durch die Außenwirkung verschärft. „Alte Klischees bekommen neue Nahrung, an denen selbst sachgemäße Informationen zum Gottesdienst und zum Inhalt der Predigt erfahrungsgemäß kaum etwas ändern werden. Die Strukturierung des Bittgottesdienstes mit Bundesverteidigungsministerin und Militärbischof als Prediger wird als Schulterschluss wahrgenommen und als Vitalisierung der Verbindung von Thron und Altar gewertet werden“, befürchtet die EAK in ihrem Schreiben. Das gebe einen zusätzlichen Auftrieb für die immer wieder kolportierte Meinung, dass die Kirche die Waffen segne.

Dieser Gottesdienst beim Deutschen Evangelischen Kirchentag könne zu dem Eindruck führen, dass der „ultima ratio“ für Gewalt gegenüber der „prima ratio“ der vorrangigen Option für Gewaltfreiheit und nichtmilitärische Konfliktlösungen am Ende faktisch der Vorzug gegeben werde, befürchtet die EAK in ihrem Schreiben an den EKD-Militärbischof. „Würde eine Friedensfachkraft predigen, die zum Beispiel für zivile, nichtmilitärische Konfliktprävention tätig war, wäre solchen Folgerungen der Boden entzogen“, betont Christoph Münchow.

Seitens des evangelischen Friedensverbandes gebe es keine grundsätzlichen Bedenken, wenn die Bundesverteidigungsministerin beim Deutschen Evangelischen Kirchentag an Podiumsdiskussionen teilnehme oder eine Bibelarbeit auf dem Kirchentag übernehme. Dies gelte aber nicht bei der Übernahme des Predigtdienstes in einem Gottesdienst, mahnt die EAK. „Eine Predigt unterliegt engeren Kriterien als eine Podiumsdiskussion oder ein Grußwort in einem Gottesdienst oder eine Bibelarbeit“, gibt Christoph Münchow zu bedenken. Dies werde auch in der Ökumene deutlich wahrgenommen, befürchtet die EAK. Und es sei ein Ärgernis für Menschen, die sich besonders tatkräftig im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Friedensarbeit engagieren, ist Münchow überzeugt.

Unterstützt wird die EAK in ihrer Kritik an dem Gottesdienst der Militärseelsorge beim Berliner Kirchentag auch von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). „Wir stehen hinter dieser Einschätzung der EAK“, unterstreicht AGDF-Vorsitzender Horst Scheffler. Die AGDF ist Mitglied der EAK. Scheffler verwies darauf, dass die AGDF bereits im Januar den EKD-Militärbischof Sigurd Rink aufgefordert habe, den Gottesdienst auf dem Kirchentag einladend für alle Gläubigen zu gestalten, auch für diejenigen, in deren Ländern die Bundeswehr militärisch aktiv sei, wie auch für diejenigen, die Militär aus christlichen Gründen grundsätzlich ablehnen würden.


22 May 2017, Pressemitteilung der DFG-VK
Gegen Bundeswehr-Werbung auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg: Nicht-Christen und Christen protestieren gemeinsam!
Die Bundeswehr macht nicht nur Werbung auf Ausbildungsmessen und auf Plakatwänden, sondern auch im kirchlichen Bereich. Denn die großen Kirchen sind für viele Menschen noch immer eine moralische Instanz. Die evangelischen und katholischen Volkskirchen haben gemeinsam noch immer 46 Millionen Mitglieder. Deshalb wirbt die Bundeswehr im Bereich der Kirche um Sympathie und Verständnis.
Auf den Veranstaltungen des Evangelischen Kirchentages in Berlin wird die Bundeswehr auf verschiedene Weise präsent sein:
•    Am Abend des 24. Mai 2017 spielt die BigBand der Bundeswehr zur Eröffnung des Kirchentages auf dem Gendarmenmarkt.
•    Auf dem Militärgottesdienst am 26. Mai in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche werden Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Militärbischof Sigurd Rink predigen. Hochrangige Vertreter von Politik, Kirche und Militär werden diesen Gottesdienst besuchen. Die Militärpolizei wird die Eingänge bewachen.
•    Militärbischof Sigurd Rink lädt am selben Tag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zur Bibelarbeit ein.
•    Auf mehreren Diskussions-Podien werden Vertreter der Bundeswehr sitzen, zum Beispiel am 27. Mai auf dem Messegelände.
•    Die Militärseelsorge ist mit mehreren Ständen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ vertreten.
•    Im Umfeld des Kirchentages und im Zusammenhang mit dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ betreibt die Bundeswehr, Abteilung Militärseelsorge, zusammen mit anderen vom 20. Mai bis 10. September in Wittenberg das „Café Friedenswege“.
Gegen dieses Engagement der Bundeswehr wendet sich die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK). Die Bundeswehr-Werbung ist Werbung für Krieg und Gewalt. Die Einsätze der Bundeswehr in Syrien, Mali, Afghanistan und anderen Ländern sind nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Das Geld, das in militärische Mittel investiert wird, fehlt im sozialen Bereich, im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie bei zivilen Methoden der internationalen Konfliktlösung. Darüber hinaus wundern sich die DFG-Mitglieder, dass der Kirchentag sich offenbar wenig an Jesus Christus orientiert. Sagen die historischen Quellen nicht, dass Jesus von Nazareth Waffengewalt abgelehnt hat? Sagen die historischen Quellen nicht, dass die ersten Generationen von Christen das Militär abgelehnt haben? Die Kirchen sollten sich anlässlich des Reformationsjubiläums wieder auf ihre Ursprünge besinnen.
Auf dem Evangelischen Kirchentag werden DFG-VK-Mitglieder gegen die Teilnahme der Bundeswehr protestieren. Aktive aus mehreren Bundesländern werden in Berlin am „Markt der Möglichkeiten“ teilnehmen. DFG-VK-Mitglied Jürgen Grässlin, weithin bekannt unter anderem als Buchautor und Organisator der „Aktion Aufschrei“ gegen Rüstungsexporte, wird am 26. Mai in Jena auf einem Podium zum Thema Rüstungsproduktion, -exporte und –konversion die Position der Kriegsgegner vertreten. Weitere Aktionen sind in Planung.
Wir protestieren gegen die Bundeswehr-Werbung auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg! Wir rufen gemeinsam zu Protesten gegen Militärwerbung auf!

Für weitere Informationen steht Ihnen Torsten Schleip, Mitglied des BundessprecherInnenkreises der DFG-VK, gern zur Verfügung: schleip@dfg-vk, Tel. 01520-6699079. Besuchen Sie auch die Seiten www.militaerseelsorge-abschaffen.de, www.dfg-vk.de und www.idk-berlin.de
 
Stuttgart, den 22. Mai 2017