27.08.2017 18:14

8.9.2017: Militärpfarrer segnen zwielichtigen Gedenkstein

Die Militärseelorge spendet ihren Segen zur Gedenksteinverlegung am 8.9.2017 im militärischen Sicherheitsbereich auf dem Fliegerhorst Wunstorf. Es ist eigentlich ein Gedenkstein für die Opfer des Lufangriffes vom 26. April 1937 auf Gernika im Baskenland. Der Haken: Die Verehrung für das Kampfgeschwader 27 „Boelcke“ das diese Bomben warf, wird nicht beendet. Es handelt sich um eine geschlossene Veranstaltung für geladene Gäste, zu denen MitarbeiterInnen des Arbeitskreises Regionalgeschichte (s.u.) nicht gehören. Wir halten diese Form des militarisierten, abgeschirmten Gedenkens für unangemessen und unglaubwürdig. Zu dieser Geschichtsvergessenheit passt die Emotionalisierung des "Gedenkens" durch die Militärgeistlichen.

PRESSEMELDUNG des Arbeitskreises Regionalgeschichte und des Baskisch-Deutschen Kulturvereins Baskale, Bilbao

Am 8. September 2017 soll auf dem Gelände des Fliegerhorstes Wunstorf durch den Wunstorfer Bürgermeister und den Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62 der Bundeswehr ein Gernika-Gedenkstein präsentiert werden. Eigentlich könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitskreises Regionalgeschichte e. V. zufrieden sein, dass nun endlich – 33 Jahre nach ihrer ersten Publikation, in der die Beteiligung Wunstorfer Flieger an der Vernichtung Gernikas nachgewiesen wurde – auch die Kommandantur des Lufttransportgeschwaders und die Stadt Wunstorf an Opfer der Bombenflieger des NS-Traditionsgeschwaders Boelcke erinnern wollen. Doch Zufriedenheit mag sich nicht einstellen, denn weder die Stadt Wunstorf noch die Bundeswehr beenden ihre über Jahre betriebene militärische Traditionspflege. Wir erinnern uns:

  1. Lange wurde jegliche Beteiligung Wunstorfer Flieger am Bombardement von Gernika zunächst bestritten und dann relativiert und kleingeredet.
  2. Veteranen des Boelckegeschwaders, darunter auch Beteiligte am Kriegsverbrechen von Gernika, trafen sich regelmäßig auf dem Fliegerhorst Wunstorf und an anderen Bundeswehrstandorten.
  3. Kommandantur und Stadt Wunstorf feierten 1985 das 50jährige Jubiläum des Fliegerhorstes und damit die NS-Geschichte gleich mit.
  4. Eine Städtepartnerschaft Wunstorf-Gernika, für die sich viele Menschen in Wunstorf einsetzten, wurde verhindert.
  5. Bis heute ist es in Wunstorf politisch nicht durchsetzbar, die Oswald-Boelcke-Straße – von den Nazis (und nochmal Anfang der 1950er Jahre) zu Ehren des Boelckegeschwaders benannt – in Gernikastraße umzubenennen.
  6. In der Ju-52-Halle werden nach wie vor die Untaten des Boelcke-Geschwaders, die Flächenbombardements von Gernika, Coventry und anderen Orten ausgeblendet. Die Aufgaben, die die Ju-52-Behelfsbomber und -Transportmaschinen, bei den Angriffskriegen der Nazis erfüllten, bleiben unerwähnt.

Wie passt das Setzen eines Gedenksteins mit dem Vertuschen der Verbrechen und der Ehrung der Täter zusammen?

Sinnvoll wäre es gewesen, nach einer öffentlichen Debatte, die Oswald-Boelcke-Straße umzubenennen, die Ausstellungsinhalte in der Ju-52-Halle zu ändern und auf öffentlich zugänglichem Gelände ein Mahnmal für alle Opfer des Boelckegeschwaders zu errichten.

Stattdessen wird in einer religiös dominierten „Gedenkveranstaltung“ ein Gernikastein abseits der Öffentlichkeit vor ausgesuchtem Publikum im militärischen Sicherheitsbereich aufgestellt. Für eine kritische Auseinandersetzung mit der Wunstorfer Militärgeschichte und der Traditionspflege der Stadt und des Lufttransportgeschwaders ist unter diesem Umständen nach wie vor kein Platz.

August 2017 | Baskisch-Deutscher Kulturverein Baskale, Bilbao | Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V., Im Dorn 7, 31535 Neustadt am Rübenberge | Tel.: 05032/61705 | E-Mail: ak.reg@t-online.de | Website: https://ak-regionalgeschichte.de/mehr/

Link: Forschungsprojekt Gernika

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