(III.) Folgerungen

  1. Die Militärseelsorge ist ein Überrest aus der Zeit, als Thron und Altar, weltliche und geistliche Macht noch gemeinsame Sache gemacht haben. (Konstantinische Wende, 4. Jahrhundert)
  2. Eine "Religion des Friedens" macht sich unglaubwürdig, wenn sie Kriegspfarrer (Militärpfarrer) entsendet.
  3. Jesus Christus hat nicht das Dilemma gepredigt, dass man "schuldig wird, ob man eingreift oder ob man nicht eingreift". Er hat nicht gepredigt, dass man in einer "unerlösten Welt nicht anders kann, als sich bisweilen die Hände schmutzig zu machen." Sondern Jesus hat eine kreative Gewaltfreiheit gepredigt und gelebt. In seinem Geist dürfen wir leben.
  4. Die Kirche hat nicht nur die Aufgabe, zu trösten (Seelsorge), zu helfen (Diakonie) und andere Aufgaben, sondern die Kirche hat auch den Auftrag, Unrecht beim Namen zu nennen und - in Wort und Tat - zu widersprechen (prophetischer Auftrag). Die Militärseelsorge ist zu sehr mit dem Militär verflochten. Deshalb kann sie das prophetische Amt gegenüber dem Militär nicht wahrnehmen. Das Wächteramt der Kirche kommt zu kurz..
  5. Die Kirche, auch die Volkskirchen, haben einen Herrn: Jesus Christus. Er hat nicht gesagt: "Selig sind, die Gewalt anwenden." Er hat nicht gesagt: "Selig sind, die Gewalt androhen." Sondern er hat gesagt: "Selig sind, die (auf gewaltfreie Weise) Frieden stiften." (Mt 5,5+9)

(IV.) Forderungen

  1. Die Militärseelsorge soll zeitnah abgeschafft werden. Die entsprechenden Verträge und Vereinbarungen mit dem Staat müssen gekündigt werden.
  2. Die Kirche soll den Soldaten Möglichkeiten zur Seelsorge und zum Gespräch anbieten. Wichtig ist dabei, dass dies in gemeindeeigenen Räumen geschieht, im Auftrag der Kirche und bezahlt von der Kirche. Möglich sind beispielsweise Kontakt-Cafés und Beratungsstellen für Aussteiger. Ebenso möglich: Seelsorge für Soldaten per Telefon und Internet.
  3. Die Kirchen sollen sich aus dieser unseligen Allianz lösen und dem gewaltfreien Jesus Christus nachfolgen. Die entsprechenden Lehrtexte müssen revidiert werden, zum Beispiel im Augsburger Bekenntnis der Artikel 16.
  4. Die Milliarden, die in Deutschland für das Militär ausgegeben werden, und die Milionen, die für die Militärseelsorge ausgegeben werden, sollen für Maßnahmen der frühzeitigen Konflikterkennung (Friedensforschungsinstitute) und der zivilen Konfliktbearbeitung (internationale Streitschlichtung) ausgegeben werden.
  5. In den Räumen der Kirche soll das Militär keine Werbe-, Informations- und Musikveranstaltungen mehr durchführen dürfen. Auf dem Katholikentag und auf dem Kirchentag soll die Militärseelsorge keinen Platz mehr haben.