Rückblick:

Februar 2017: Protest in Bad Boll gegen „60 Jahre evangelische Seelsorge in der Bundeswehr“

Bundeswehr und Kirche feiern in inniger Verbundenheit das Jubiläum "60 Jahre evang. Militärseelsorge". Für die Feierlichkeiten zieht man sich von 22. bis 25. Februar 2017 in die idyllisch gelegene Akademie Bad Boll, am Rande der Schwäbischen Alb, zurück. Man hofft, dort ungestört zu sein. Teilnehmen werden Generäle, Bischöfe, CDU-Vertreter und die Militärmusik. Die Akademie stellt gerne Räume und Personal zur Verfügung.

Unsere Fragen: Wäre es nicht eigentlich die Aufgabe der Akademie Bad Boll, den sinnlosen Auslandseinsätzen (Mali, Afghanistan und Syrien) zu widersprechen? Wäre es nicht die Aufgabe der Kirche, etwas gegen den Krieg und gegen das Militär zu sagen? Zur Erinnerung: Bundespräsident Gustav Heinemann war gegen die - durch die Bundeswehr organisierte und bezahlte - Form der Militärseelsorge. Dieselbe Meinung vertritt Professor Dr. Jürgen Moltmann. Eine Reform der Soldatenseelsorge ist überfällig!


Militärwerbung auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 24.-28. Mai 2017 (Berlin und Wittenberg)

Die Bundeswehr wird wieder mit zahlreichen Vertretern auf dem Kirchentag anwesend sein: Am Abend der Begegnung werden - wie üblich - auch Militärmusiker spielen, auf dem "Markt der Möglichkeiten" stehen Militärpfarrer an ihren Ständen bereit, auf den Podien sitzt der Militärbischof und es wird - wie bei jedem Kirchentag - ein Militärgottesdienst gefeiert. Wir werden auch da sein. Wir werden für Frieden und Abrüstung - und gegen Rüstung und Militär - trommeln und pfeifen.


RÜCKBLICK: 26. Jan 2017: Protest gegen den MILITÄR-Gottesdienst zum "Weltfriedenstag" im Würzburger Dom

Papst Franziskus ruft zur Gewaltfreiheit auf. Franziskus sagt:Gewalt und Abschreckung passen nicht zu Jesus Christus und nicht zum christlichen Glauben. Wir fragen: Warum wird dann in Würzburg ein Militärgottesdienst gefeiert, bei dem - durch das Setting - das Militär (als Institution) sozusagen gesegnet wird? Die Kirche unterstützt auf diese Weise das Militär und den Krieg. Die Bundeswehr und die Kirche feiern diesen Militärgottesdienst groteskerweise zum "Weltfriedenstag". Jesus hätte sich im Grab umgedreht, wenn er da noch liegen würde. Kontakt: DFG-VK Würzburg.



- Reformationstag 31.10.2013 in Bremen -


Protest gegen Militärseelsorge

Bremen, 01.11.2013, Weser Kurier, von Arno Janssen

„Die Militärseelsorge muss abgeschafft werden.“ Das forderten am Donnerstag Angehörige aus Bremer Kirchengemeinden und Friedensorganisationen. Sie hefteten am Reformationstag ein Thesenpapier an die Tür des St.-Petri-Doms. Laut der Aktivisten legitimieren Pfarrer in den Kriegsgebieten das Töten.

„Du sollst nicht töten“ lautet eines der Zehn Gebote. Eine Forderung aus dem Alten Testament, auf die gestern Anhänger der Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge aufmerksam machten. In Luther-Manier hängten sie ein Thesenpapier an die Tür des St.-Petri-Doms. Auf DIN A2 stand ihr Anliegen am Reformationstag: „Militärseelsorge abschaffen!“

„Die Kirche muss sich endlich aus dem unglücklichen Verhältnis mit dem Militär lösen“, sagt Joachim Fischer von der Deutschen Friedensgesellschaft in Bremen. Der Initiator der Demonstration protestierte mit rund 20 Aktivisten aus verschiedenen Kirchengemeinden und Friedensorganisationen auf den Treppenstufen des Doms. „Militärseelsorger haben in Kriegsländern wie Afghanistan nichts zu suchen“, sagt er. Dort würden sie das Werfen von Bomben und Granaten für die Soldaten nur legitimieren. Die Truppen würden denken: „Wenn der Pfarrer mitkommt, kann das Töten ja nicht so schlecht sein“, so Fischer.

Reinhard Zimmermann von der Andreas-Gemeinde beteiligte sich ebenfalls an der Aktion. Er weist auf eine zentrale Forderung des Thesenpapiers hin: „Seelsorge soll ausschließlich in gemeindeeigenen Räumen angeboten werden.“ Offiziere, Feldwebel und Gefreite hätten dort Kontakt zu zivilen Personen, sagt er. „Durch gemeinsame Gespräche könne man sie dazu bewegen, nicht in den Krieg zu ziehen, sondern für eine friedliche Lösung einzustehen.“ Ob Kontakt-Cafés, Beratungsstellen für Aussteiger oder Seelsorge per Telefon – von der Kirche finanzierte Angebote in der Heimat wären effektiver.

Bremen, 31.10.13: Am Reformationstag protestierte eine Gruppe Friedensaktivisten vor dem Bremer Dom gegen die Militärseelsorge in ihrer derzeitigen Form.
Eine Meinung, die Marlene Beyel, Sprecherin der katholischen Militärseelsorge in Bonn, nicht vertritt. „Die Soldaten brauchen unsere Seelsorger an der Front.“ Viele hätten posttraumatische Erlebnisse und Ängste, die direkt vor Ort aufgearbeitet werden müssen. „Nicht ohne Grund ist die Militärseelsorge der katholischen und evangelischen Kirchen ein vom Staat geleisteter Dienst“, sagt Beyel. In den Krisengebieten würden die Glaubensgemeinschaften zusammenarbeiten.

Rund 28 Millionen Euro im Jahr gäbe der Staat dafür aus. Etwa 190 Militärpfarrämter wären insgesamt im Einsatz. „Ihre Aufgaben in den Krisengebieten sind vielseitig.“ So halten sie Gottesdienste, planen Religionsunterrichte oder bauen Menschen psychisch wieder auf. „Sie ermutigen aber nicht zum Töten“, betont Beyel. Die Soldaten wären ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet.

Joachim Fischer dagegen hält die Militärseelsorge für überholt. „Die meisten Soldaten sprechen mit ihren Kameraden oder der Familie über Sorgen“, sagt er auf der Demonstration. Der Vertrag zwischen Staat und Kirche gehöre daher gekündigt.